Alte Accounts finden und löschen: die komplette Anleitung
Das MySpace-Profil von 2007, der Foren-Account aus der Studienzeit, drei Online-Shops, in denen du genau einmal bestellt hast: Der Durchschnittsnutzer hat weit über hundert Accounts, und die meisten davon vergessen. Jeder davon ist ein kleines Datenleck auf Abruf: Er enthält deine E-Mail-Adresse, oft ein altes (womöglich wiederverwendetes) Passwort, manchmal Adresse und Zahlungsdaten, und bei Foren und sozialen Netzwerken öffentlich sichtbare Beiträge unter deinem Namen. So räumst du auf.
Schritt 1: Alte Accounts überhaupt finden
Das E-Mail-Postfach als Archiv
Dein Postfach kennt fast alle deine Registrierungen. Durchsuche alle E-Mail-Konten (auch die alten GMX- und Web.de-Adressen) nach:
- "Willkommen bei" / "Welcome to"
- "Registrierung" / "Konto erstellt" / "Verify your email"
- "Passwort zurücksetzen" (zeigt Accounts, die du selbst vergessen hattest)
Passwort-Manager und Browser
Der Passwortspeicher von Chrome, Firefox oder deinem Passwort-Manager ist eine fertige Liste deiner Accounts. Auch der Blick in "Anmelden mit Google/Facebook/Apple" lohnt: In den Sicherheitseinstellungen dieser Konten siehst du alle Dienste, bei denen du dich per Social Login angemeldet hast.
Suchmaschinen und Leak-Checker
Google-Suche nach deinen alten Nicknames und E-Mail-Adressen (in Anführungszeichen) fördert öffentliche Profile zutage. Der kostenlose Dienst Have I Been Pwned zeigt dir zusätzlich, in welchen Datenlecks deine E-Mail-Adresse auftaucht, ein guter Hinweis auf vergessene Registrierungen.
Schritt 2: Löschen, nicht deaktivieren
Bei jedem gefundenen Account gilt die gleiche Reihenfolge:
- Einloggen (notfalls per Passwort-Reset).
- Daten mitnehmen, falls relevant: Fotos, Kontakte, Bestellhistorie exportieren.
- Endgültig löschen, nicht nur deaktivieren. Die Löschfunktion versteckt sich meist unter Einstellungen → Konto → "Konto löschen" oder in der Datenschutz-Sektion. "Deaktivieren" oder "Pausieren" lässt alle Daten bestehen.
- Bestätigungsmail aufheben, falls der Anbieter später doch wieder auftaucht.
Schritt 3: Wenn es keinen Lösch-Button gibt
Viele ältere Dienste bieten keine Selbstlöschung an. Dann greift die DSGVO: Schreib an die Support- oder Datenschutz-Adresse (Impressum bzw. Datenschutzerklärung) und verlange die Löschung deines Kontos und aller zugehörigen Daten nach Art. 17 DSGVO. Der Anbieter muss innerhalb eines Monats reagieren. Bei Diensten, die gar nicht mehr betreut werden, hilft die Beschwerde bei der Datenschutzbehörde oder, wenn die Seite noch bei Google auftaucht, der Auslistungsantrag.
Sonderfall: Foren-Beiträge unter Klarnamen
Bei Foren löscht die Konto-Löschung oft nur das Profil, nicht die Beiträge. Wenn Beiträge deinen Klarnamen enthalten oder dich identifizierbar machen, kannst du auch deren Löschung oder Anonymisierung nach Art. 17 DSGVO verlangen. Betreiber argumentieren gern mit der "Integrität der Diskussion"; die Anonymisierung (Nickname statt Klarname) ist der übliche Kompromiss und für dein Ziel meist ausreichend.
Priorisieren statt perfektionieren
Nicht jeder Account ist gleich riskant. Die sinnvolle Reihenfolge:
- Accounts mit öffentlichem Profil unter Klarnamen (Social Media, Foren, Bewertungsportale)
- Accounts mit Zahlungs- oder Adressdaten (Shops, Buchungsportale)
- Alles mit wiederverwendetem Passwort
- Der Rest
Der Abgleich mit der Realität
Selbst mit dieser Anleitung bleibt ein blinder Fleck: Du findest nur Accounts, an die dein Postfach oder dein Gedächtnis sich erinnern. Was du nicht siehst, sind die Spuren, die diese Accounts bereits im offenen Netz hinterlassen haben: Profile in Suchmaschinen-Caches, Erwähnungen auf anderen Seiten, alte Avatare in der Bildersuche. Unser kostenloser Scan bei DatenLöschenLassen.de zeigt dir diese Außensicht: was ein Fremder heute über dich findet, inklusive der Fundstellen, die von längst vergessenen Accounts stammen.
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